Therapie: Nicht selbst „herumdoktern“!
Niemand geht wegen ein paar Pickelchen gleich zum Arzt. Bei Akne ist aber genau das angeraten. Damit sie sich bessert, braucht es einen erfahrenen Hautarzt und – Geduld! Denn es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten, aber nicht alle helfen jedem.Im Überblick
Vorab: Eine Akne auszuheilen oder sichtbar und spürbar zu lindern geht nicht von heute auf morgen. Je früher man aber mit einer fachmännischen Behandlung beginnt, umso besser. Oftmals tritt nach Behandlungsbeginn zunächst eine Verschlechterung der Akne ein – die Pickel blühen regelrecht auf und können sogar noch mehr werden. Das zu akzeptieren ist sicher der schwerste Teil der Therapie, denn die Ursache wird oft falsch interpretiert: Die Akne wird nicht schlimmer, weil die Behandlung falsch ist, sie wird schlimmer, weil die Behandlung die Haut „provoziert“ – für den Heilungserfolg ist das leider oftmals nicht zu umgehen. Wenn das Brennen, Spannen und Schuppen jedoch zu arg werden, sollten Sie dies Ihrem Hautarzt mitteilen.
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Dreifach gegen Akne
Damit das Hautbild sich bessert und die Hauterscheinungen möglichst narbenfrei abheilen, haben sich je nach Erkrankungsform und -schwere drei Hauptprinzipien der Akne-Therapie bewährt: - Die überschießende Talgproduktion muss auf Normalmaß gebracht werden. - Damit die Ausführungsgänge der Talgdrüsen durchgängig für das darin produzierte Hautfett werden, muss man den Verhornungsstörungen entgegenwirken. - Die Entzündungen müssen unter Kontrolle gebracht und die daran beteiligten Bakterien bekämpft werden. Wie im Einzelnen vorgegangen wird, besprechen Sie am besten mit Ihrem Hautarzt.
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Sieben goldene Regeln zur Pflege von Aknehaut
Regel Nummer 1: Zweimal am Tag gründlich reinigen genügt völlig – mehr schadet! Anschließend mit einem – am besten immer frischen – Handtuch sanft trockentupfen, damit die Haut nicht zusätzlich gereizt wird.
Regel Nummer 2: Nicht zu irgendwelchen Gesichtswassern, Peelings und Seifen greifen, sondern nur zu besonders schonenden Reinigungsprodukten, die der Haut helfen, ihren Säureschutzmantel zu normalisieren und Bakterien abzuwehren. Solche besonders schonenden Reinigungsprodukte sind
pH-neutrale Wasch-Syndets. Syndet steht für synthetisches Detergens – gemeint ist damit ein synthetisches Reinigungsprodukt, das die Haut nicht nur sehr gründlich reinigt und das sogar leicht keimtötend wirkt, sondern das die Haut auch entfettet. Wer eine sehr trockene Haut hat, sollte sich ein rückfettendes Syndet besorgen – am besten lassen Sie sich beraten, welches für Sie am besten geeignet ist.
Regel Nummer 3: nach der Gesichtsreinigung keine Fettsalben auftragen – sie verstopfen die Poren nur und machen alles noch schlimmer.
Regel Nummer 4: Pickel und Pusteln nicht selbst ausdrücken! Kosmetikerinnen und kosmetologisch versierte Hautärzte können Aknehaut viel besser reinigen und helfen, dass Pusteln erst gar nicht entstehen.
Regel Nummer 5: In der Apotheke oder beim Hautarzt gibt es Produkte, die unschöne Mitesser und Aknepickelchen abdecken. Fragen Sie nach Präparaten, die zudem die Abheilung der Haut unterstützen können, weil sie antikomedogen, also gegen die Mitesser (
Komedonen) wirken.
Regel Nummer 6: Kosmetikartikel sind nicht Tabu, wenn man Akne hat. Wichtig ist aber, darauf zu achten, dass die Akne durch sie nicht schlimmer wird oder die Poren verstopft werden. Lesen Sie sich deswegen immer genau durch, was auf dem Beipackzettel steht: Auf geeigneten Präparaten ist ausdrücklich vermerkt, dass sie auch für Aknehaut geeignet sind.
Regel Nummer 7: Auch wenn’s schwer fällt: Nicht die Geduld verlieren! Ihre Haut wird es Ihnen danken.
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Die Haut schälen – aber mit Vorsicht
Mittel zum Schälen der Haut (Microdermabrasion) – oft auch einfach als „Peelings“ bezeichnet – haben vor allem die Aufgabe, die Verhornungen der Haut abzutragen, die die Ausführungsgänge der Talgdrüsen blockieren oder sogar ganz verschließen.
Benzoylperoxid (BPO) Benzoylperoxid gibt es in verschiedenen Konzentrationen frei verkäuflich in der Apotheke – je niedrigerprozentig das Mittel, umso sanfter das Peeling, je höher, umso aggressiver. Zugleich setzt BPO auch den Bakterien ziemlich zu, ohne dass man zugleich den Nebeneffekt – wie bei
Antibiotika – befürchten muss, dass diese resistent werden. Benzoylperoxid schält die Haut ziemlich wirksam – von Sonnenbädern, ob in der Natur oder im Solarium, ist deswegen dringend abzuraten, wenn man nicht ernsthafte Hautschäden riskieren will. Ganz wichtig ist, die Packungsbeilage ganz genau durchzulesen und sich an die Anwendungsempfehlungen zu halten – mehr als dort angegeben hilft nämlich nicht mehr! Und auch ein höherer Anteil an BPO heißt nicht gleichzeitig: bessere Wirkung.
Bei etwa zehn Prozent der Anwender treten allergische Reaktionen auf – dann sollten Sie das Medikament sofort absetzen und mit Ihrem Arzt die nächsten Schritte besprechen. Außerdem kann BPO nicht nur die Haare, sondern auch bunte Kleidungsstücke ausbleichen.
Retinoide (Vitamin-A-Säure-Abkömmlinge) Sie werden lokal aufgetragen und wirken wie ein Peeling, aber auch antientzündlich. Oft werden sie mit antimikrobiellen Substanzen, beispielsweise mit BPO kombiniert. Allerdings treten dabei oft Rötungen und Schuppungen auf, die zunächst den Hauteindruck verschlechtern können, auch kommt es im Zusammenhang mit Sonnenlicht oft zu fototoxische Reaktionen. Das Adapalen, ein Retinoid der 3. Generation, zeigt keine fototoxischen Reaktionen und ist gut verträglich.
Azelainsäure Azelainsäure hemmt das Wachstum bestimmter Aknebakterien und zerstört
Komedonen – also die als Mitesser sichtbaren Talgpfropfen in der Haut. Möglicherweise normalisiert Azelainsäure auch die Verhornung der Oberhautzellen und wirkt somit gleich dreifach gegen Akne. Wie auch bei den meisten anderen schälenden Mitteln gegen Akne kann es zunächst zu geröteter und juckender und Haut kommen. In der Regel lässt das aber nach etwa vier Wochen nach.
Worauf ist bei Hautpflege und Schälmitteln zu achten? Darauf, dass Sie erstens etwas Geduld haben müssen und zweitens oftmals zunächst eine Verschlechterung des Hautbildes hinnehmen müssen, weil die Haut gereizt wird. Ansonsten gilt:
- Viel hilft nicht viel! Halten Sie sich bitte unbedingt an den mit dem Arzt abgesprochenen Behandlungsplan bzw. an die Packungsbeilagen.
- Die meisten Produkte dürfen nicht mit Schleimhäuten in Berührung kommen –Lippen und Augenpartie also großzügig aussparen.
- Gelangt eines der Schälmittel versehentlich ins Auge: Ruhe bewahren und sofort mit reichlich klarem Wasser gründlich ausspülen.
- Vorsicht mit Sonnenbräune! Wenn Sie ein Sonnenanbeter sind und weder auf die natürliche noch auf die „Kunstsonne“ verzichten wollen, erkundigen Sie sich ganz genau bei Ihrem Arzt oder Apotheker, ob das während einer Schälbehandlung wirklich unbedenklich ist. Im Zweifelsfall können Sie Ihre Haut nämlich so strapazieren, dass sie es sich in Form von Langzeitschäden „merkt“.
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Medikamente zum Einnehmen gegen Akne
Wenn die Akne sehr stark ist und auf äußerliche Anwendungen nicht oder nicht genügend anspricht, können auch Medikamente zum Einnehmen gegeben werden.
Antibiotika Wo Bakterien im Spiel sind, stellt sich die Frage nach
Antibiotika. Bei der Akne ist ihre Gabe durchaus umstritten. Aber der Reihe nach:
Antibiotika bekämpfen die Bakterien, die an der entzündlichen Reaktion der Haut beteiligt sind. Außerdem haben sie in gewissem Umfang eine entzündungshemmende Wirkung und sollen auch einen positiven Effekt auf die Hautverhornung haben. Andererseits begünstigen
Antibiotika die Resistenzbildung – Bakterien werden dann „immun“ gegen ihre Wirkung. Zudem töten sie in der Regel die Bakterien nicht ab, sondern hemmen nur ihr Wachstum – bei Absetzen der Medikamente können sich die Bakterienstämme wieder erholen, und die Akne wird wieder schlimmer.
Aus diesen Gründen wird oft empfohlen, Antibiotika mit Bedacht und, vor allem bei starken Akneschüben, kombiniert mit einem Schälpräparat einzusetzen. Gerade, wenn Eiterpickeln auch mit konsequenter Hautpflege nicht beizukommen ist, kann sich ein Versuch mit
Antibiotika, wie z. B. Minocyclin, Doxycyclin, Erythromycin oder Clindamycin trotzdem auszahlen. Immer gilt: vorschriftsmäßig anwenden – dann ist die Gefahr einer Resistenzbildung auch geringer.
Frauen, die die Antibabypille nehmen, sollten, wenn sie ein
Antibiotikum einnehmen, sicherheitshalber zusätzlich verhüten – z. B. mit Kondomen, denn manche Antibiotika reduzieren den Empfängnisschutz durch die Pille.
Antibiotika können außerdem die Darmflora (vorübergehend) schädigen und dann zu Verdauungsproblemen und Pilzbefall führen. Um möglichst viel von den guten Eigenschaften der antibakteriell wirkenden Medikamente zu profitieren, gilt auch bei Akne: Nur so lange einnehmen, wie unbedingt erforderlich (das sagt Ihnen Ihr Hautarzt) – aber nicht kürzer und auch nicht länger. Als Dauertherapie sind
Antibiotika nicht gedacht.
Hormone: Mit der Antibabypille gegen AkneTestosteron bzw. ein Zuviel davon ist maßgeblich an der Entstehung von Akne beteiligt – in der hormonellen Therapie bei Frauen wird meist das synthetische
Östrogen Ethinylestradiol mit einem antiandrogen wirkenden synthetischen
Gestagen kombiniert. Dieser Hormon-Cocktail ist in bestimmten Antibabypillen enthalten, sodass sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen: Die Wirkung des
Testosterons, das für die übermäßige Talgbildung verantwortlich ist, wird abgemildert und einer Empfängnis sicher vorgebeugt (wenn die Pille regelmäßig eingenommen wird).
Isotretinoin Isotretinoin ist ein entfernter Verwandter der Vitamin-A-Säure und ist der Behandlung schwerer und therapieresistener Fälle vorbehalten. Seine Wirksamkeit – es hemmt die Talgproduktion – gilt heute als unumstritten, ist aber nicht selten von einigen Nebenwirkungen belastet. Dazu gehören neben starken Hautreaktionen – die Haut schält sich und wird trocken – auch Haarausfall, Nasenbluten, Gelenkschmerzen und Depressionen. Für Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter ist Isotretinoin nicht geeignet – denn im Falle einer Schwangerschaft kann es zu schwersten Missbildungen des Kindes kommen. Isotretinoin darf dieser Patientengruppe deswegen nur in bestimmten Ausnahmefällen verordnet werden.
Zink Bei vielen Aknepatienten ist der Zinkbedarf erhöht, weil dieses essentielle Spurenelement zum Beispiel vermehrt für die Ausheilung der Aknepusteln gebraucht wird. Zink ist in diversen Lebensmitteln (Leber, Weizenkeimlinge und Weizenkleie, Sonnenblumenkernen) enthalten – ein Mehrbedarf kann im Allgemeinen mit der Ernährung allein aber nicht gedeckt werden. Zusätzliche Zinkpräparate aus der Apotheke können die Aknebehandlung unterstützen (auch einige Antibiotika gegen Akne enthalten Zinkverbindungen), aber auch hier gilt: nicht auf eigene Faust „verordnen“, weil ein Zuviel an Zink dem Körper nicht gut tut.
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Mit Sonnenlicht gegen Akne?
Sonnenlicht gilt heute nicht mehr als Therapeutikum, vor allem, weil der UVA-Anteil komedogen wirkt. Empfohlen wird deshalb anstatt einer UV-Bestrahlung eine Blau- oder Rotlichttherapie, die zweimal wöchentlich für etwa einen Monat durchgeführt wird.
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Das Gedächtnis der Haut: Wenn Narben zurückbleiben
Dass ausgeprägte Aknenarben auch mit den besten Hautpflegeprodukten der Welt nicht wieder rückgängig zu machen sind, liegt auf der Hand: Das Gewebe ist bereits geschädigt. Trotzdem müssen Sie diese Narben nicht hinnehmen, denn es gibt eine Reihe von verschiedenen Möglichkeiten, die Haut wieder glatter und manche Narben sogar so gut wie unsichtbar zu machen.
- Leichte Narben sprechen oft gut auf ein chemisches Peeling mit an. Peeling-Präparate basieren meist auf Fruchtsäuren in unterschiedlichen Konzentrationen – alles, was über 30 Prozent liegt, sollte von einer Kosmetikerin bzw. bei hochprozentigen Produkten (bis 70 Prozent) von einem Hautarzt durchgeführt werden. Die Wirkung beruht vor allem darauf, die Haut zu glätten und das Hautbild zu verfeinern.
- Sind die Narben etwas tiefer und/oder großflächiger, kann eine sogenannte Dermabrasion das Hautbild deutlich bessern. Dabei werden die Narben mechanisch, d. h. mit einem dafür konzipierten Gerät „abgeschliffen“. Etwas „punktgenauer“ und sehr modern ist die Laserbehandlung der Haut.
- Bei sehr tief eingesunkenen Narben besteht die Möglichkeit, die Vertiefung operativ an das umgebende Hautniveau anzuheben und so die Narben weniger sichtbar zu machen. Ein solcher Eingriff kann jedoch erst dann erfolgen, wenn die Akne ausgeheilt ist, damit es nicht durch eventuell noch vorhandene Bakterien zu einer Wundinfektion kommt.
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