Tatort: Talgdrüse – Täter: Testosteron
Eine Acne vulgaris entwickelt sich meist so: Es beginnt alles ganz harmlos: Die Haut produziert ein bisschen mehr Talg, die Poren verstopfen und es bilden sich winzig kleine Mitesser, die als Pünktchen manchmal sogar nur unter der Lupe zu erkennen sind. Von Fachleuten werden sie als „Komedonen“ bezeichnet.Im Überblick
Ob ein Mitesser noch geschlossen oder schon mit Luft in Kontakt gekommen ist, kann man an seiner Farbe erkennen:
- Geschlossene Mitesser sind weiße, kleine Knötchen, manchmal auch „Whiteheads“ genannt.
- Ein schwarzes „Köpfchen“ bekommt ein Mitesser erst nach Kontakt mit Sauerstoff. Dann führt eine chemische Reaktion dazu, dass der schwarze Hautfarbstoff Melanin oxidiert und die berüchtigten „Blackheads“ nun deutlich sichtbar hervortreten lässt.
Mit Unsauberheit und mangelnder Hygiene hat das gar nichts zu tun – was umgekehrt aber auch bedeutet: Durch übertriebene Hygiene und scharfe Seifen kann man den „Blackheads“ nicht zuvorkommen. Fettsäuren, die im Komedo vorkommen, lösen einen starken Reiz auf die Zellen aus, was zu einer entzündlichen Reaktion führt. Eine zusätzliche bakterielle Besiedelung des
Komedos mit Propionibacterium acnes verstärkt die Fettsäurebildung noch. Neben der Entzündungsreaktion sind nun auch
Abszessbildungen (Eiter) zu beobachten.
↑ nach oben
Nur selten bleiben Narben
Bevorzugt treten verstopfte Poren da auf, wo in der Haut besonders viele Talgdrüsen sitzen: im Gesicht, auf Nacken, Brust und Rücken. Mitesser sind zwar unerfreulich und lästig, gelten aber – je nach Expertenmeinung – entweder noch nicht als Akne oder nur als leichte Akne. Wenn die verstopften Talgdrüsen anfangen sich zu entzünden, bilden sich Aknepusteln. Diese Pusteln heilen oft ab, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Unter bestimmten Bedingungen wird aber das umgebende Gewebe mit infiziert – dann kann es zur Narbenbildung kommen.
↑ nach oben
Warum Männer häufiger Akne haben
Akne entsteht erst, wenn verschiedene Faktoren zusammenspielen: eine erbliche Veranlagung, zu starke Talgproduktion, Bakterien, Störungen der Hautverhornung und eine Immunreaktion auf Entzündungsreize, vor allem aber: die überschießende Produktion von
Testosteron. Dieses männliche Geschlechtshormon wird zwar auch in den Eierstöcken der Frau gebildet, damit ihr hormoneller Regelkreislauf im Gleichgewicht bleibt – aber nur in kleineren Mengen. Männer haben sehr viel mehr
Testosteron – und deshalb öfter mit Akne zu kämpfen als Frauen.
↑ nach oben
Gesteigerte Talgproduktion
Jeder Haarbalg in der Haut ist von einer Talgdrüse umgeben. Bei der Entstehung von Akne ist immer eine solche Talgdrüse im Zentrum des Geschehens: Unter dem Einfluss von
Testosteron kommt es zu einer Steigerung der Talgproduktion, was an der glänzenden Haut vieler junger Menschen in der Pubertät oft deutlich sichtbar ist. Auch die Haare werden bei gesteigerter Talgproduktion viel schneller fettig. Wenn nun eine Talgdrüse verstopft, weil ihr Ausführungsgang durch zu starke Verhornung regelrecht verschlossen wird, beginnt der Talg, sich in der Drüse zu stauen: Auf der Haut zeigt sich als kleine Erhebung ein Mitesser. Gelangen Bakterien in die Talgdrüse, kommt es zu einer Entzündung mit Eiterbildung, wobei der Eiter zur Hautoberfläche hin nur mit einer hauchdünnen Membran überzogen ist. Schließlich ist es nur eine Frage des Drucks, bis diese Membran platzt – jetzt liegt eine „ganz gewöhnliche“ Akne vor, die
Acne vulgaris, unter der so viele Teenager leiden.
↑ nach oben
Mythen und Vorurteile
Dass Akne eine Folge von zu viel Schokolade und zu wenig Sex sei, ist natürlich Unsinn. Und sie entsteht auch nicht aufgrund mangelnder Hygiene, meist ist sogar eher das Gegenteil der Fall, dann nämlich, wenn die Betroffenen es mit der Gesichtsreinigung übertreiben – was nur dazu führt, dass der Säureschutzmantel der Haut zerstört wird und Bakterien sozusagen „freien Eintritt“ haben.
Akne entsteht auch nicht, weil man bestimmte Nahrungsmittel nicht verträgt (
Nahrungsmittelintoleranz) oder allergisch auf sie reagiert (
Nahrungsmittelallergie).
Neuere Studien konnten zeigen, dass eine Ernährung mit niedrigem
glykämischen Index (also kohlenhydratarm, eiweißreich, wenig gesättigte Fettsäuren) die Hauterscheinungen bei Akne bessern kann. Eine Auslösung der Akne durch Schokolade konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.
Das Gerücht, dass es einen Zusammenhang zwischen Sexualität und Akne gibt, entbehrt jeder Grundlage. Vielleicht kann es sich aber deswegen so hartnäckig halten, weil die häufigste Form der Akne, die
Acne vulgaris, im Allgemeinen um die Pubertät herum einsetzt und in diese Zeit eben auch die Geschlechtsreifung fällt.
↑ nach oben